Sachgebiet Metallbau-Montagearbeiten
Besondere Bauwerke erfordern besondere Arbeitsverfahren
Diese Aussage trifft besonders auf die Allianz-Arena in München zu, einem Bauwerk für den Fußball mit einer stützenfreien Überdachung von 60.000 m², die sich in einer Höhe von 10 bis 52 m über den steil ansteigenden Zuschauerrängen befindet.
Für die Montage der Dacheindeckung, einer Membranhülle, welche aus „Luftsäcken“ besteht sowie für die Montage der Beleuchtungskörper und weiterer Gebäudetechnik waren besondere Arbeitsplätze zu schaffen. Arbeitsplätze in Form von Flächengerüsten oder Hubarbeitsbühnen waren aus technischen Gründen, insbesondere durch die Höhe der Konstruktion nur bedingt einsetzbar. Weitere Argumente gegen ihre Nutzung waren terminliche Schwierigkeiten sowie der vorgesehene Montageablauf. Deshalb wurden in Deutschland erstmals in großem Umfang Netze als Arbeitsplatz eingesetzt. Die Netze wurden durch speziell in alpiner Klettertechnik ausgebildete Höhenarbeiter montiert. Die als Arbeitsfläche eingesetzten Netze besitzen eine Maschenweite von 45 mm.
Durch zusätzlich eingebrachte Bänder, die mit einem Ratschensystem wie in der Zurrtechnik versehen sind, wird eine hohe Vorspannung des Netzes mit geringem Durchhang bzw. Einsinken beim Begehen, erreicht.
Zusätzlich wurde ein herkömmliches Auffangnetz unter dem begehbaren Netz angebracht, damit bei einer Beschädigung des Netzes ein Absturz verhindert wird.
Der Einsatz dieser „Plattformnetze“ war von intensiver Zusammenarbeit der Netzhersteller, der Höhenarbeiter und sonstiger Stellen mit den Vertretern der Arbeitsschutzbehörden geprägt. Es wurden für zukünftige Einsätze wertvolle Erfahrungen gemacht. Dennoch sind noch eine Vielzahl von Fragen zu klären.
Dazu wurde vom Fachausschuss „MFS“ eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich zur Aufgabe gemacht hat, für die Auswahl der Netze, der Montage und für das sichere Arbeiten Hilfestellungen zu erarbeiten. In dieser Arbeitsgruppe sind neben Berufsgenossenschaften auch das BGIA (BG-Institut für Arbeitsschutz.), Anwender und Netzhersteller vertreten.
Inzwischen wurde auf kleineren Baustellen beobachtet, dass „normale“ Auffangnetze als Arbeitsplattformen eingesetzt wurden.
Es wird ausdrücklich davor gewarnt, Auffangnetze dafür einzusetzen. Neben einem nicht geeigneten Garn und Knoten sind die Maschen zu groß um sicher darin zu gehen und zu arbeiten. Beim Bruch einer Masche ist es nicht ausgeschlossen, dass benachbarte Knoten aufgehen und ein größeres Loch entsteht. Befindet sich kein zweites Netz darunter, sind Abstürze möglich.
Die modernen Produktionsverfahren für knotenlose Netze ermöglichen die Herstellung von extrem steifen, unnachgiebigen Netzflächen, die als horizontale Arbeitsplattformen gespannt das Arbeiten unter einem Dach oder Decke eines Gebäudes ermöglichen, ohne die darunter stattfindenden Arbeiten zu beeinflussen.
Diese begehbare Arbeitsplattform kann den jeweils notwendigen Arbeitsbedingungen flexibel angepasst werden. Mögliche Ausführungsvarianten stellen das Ein- oder Zwei-Netz-System dar.
Bei der „Ein-Netz“ Variante stellt ein gespanntes Netz mit 45mm Maschenweite Arbeitsfläche und Primärsicherung dar. Sie erfordert jedoch eine zusätzliche Personensicherung durch Auffangurt, um im Falle einer Beschädigung die nötige Sicherheit gegen Absturz zu gewährleisten.
Bei der „Zwei-Netz“ Variante bildet das oberste Netz die gespannte Arbeitsplattform (im Bild blaues Netz) während darunter ein unabhängiges Schutznetz (im Bild grünes Netz) nach EN 1263-1 montiert wird. Dieses übernimmt im Falle einer Beschädigung des Plattformnetzes die Absturzsicherung der Personen. Auf eine zusätzliche Sicherung durch Auffanggurte kann daher verzichtet werden. Der Einsatz von Persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz ist aber in Randbereichen zwingend erforderlich.
Der großflächige Einsatz von Netzen als Arbeitsplattform wurde im Jahr 2002 bei einem Hallenbau im Züricher Zoo erstmals eingesetzt (2x12.000 m²).
Weitere Informationen
Fachausschuss Maschinenbau, Fertigungssysteme, Stahlbau
Sachgebiet Metallbau-Montagearbeiten
Obmann Dipl.-Ing. Wolfgang Rösch (Email)
Dr. Marco Einhaus (Email)






